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Die Geschichte des Breitensports in Deutschland

Ein Großteil der Menschen in Deutschland betreibt Breitensport, auch bekannt als Volks- oder Massensport. Aber was ist das eigentlich genau?

Im FREISPORT Magazin erfahren Sie, wie sich Breitensport genau definiert und wie die Geschichte des Breitensports in Deutschland aussieht – von 1780 bis in die Gegenwart.

Definition von Breitensport

In der Regel betreiben Menschen Breitensport in ihrer Freizeit, mitunter fällt aber auch Schul- und Betriebssport unter diese Begrifflichkeit. Eine grundsätzliche Abgrenzung zum Leistungssport erfolgt durch die mangelnde Wettkampforientierung und die geringere Trainingsintensität. Im Falle von Mannschaftssportarten gehören Wettkämpfe allerdings auch zum Breitensport dazu.

Aufgrund dieser nicht ganz klaren Einordnung haben sich zwei leicht unterschiedliche Definitionen für den Breitensport etabliert:

  • Bei Breitensport handelt es sich um Sport, der in der Breite der Bevölkerung, also von verschiedenen Altersgruppen beider Geschlechter, betrieben wird.
  • Breitensport beinhaltet den gesamten, nicht professionell betriebenen Sportbereich, also auch Rand- und Extremsport.

Der Fokus des Breitensports liegt auf der körperlichen Fitness, dem Spaß an der Bewegung sowie auf den sozialen Komponenten des Vereinslebens. Generell soll dem Menschen durch Freizeitsport zur ganzheitlichen Gesundheit verholfen werden. Dies beinhaltet die physische, die psychische sowie die soziale Hinsicht.

Die Anfänge der Leibeserziehung

Zwischen 1780 – 1815 entstehen ein idealistisches Menschenbild sowie ein neues Bildungsideal. Hierbei spielen der Sport und dabei besonders die Gymnastik eine wichtige Rolle. Ab 1785 entwickelt Johann Friedrich GutsMuths in der Erziehungsanstalt Schnepfenthal die pädagogische Gymnastik und somit die erste planmäßige schulische Leibeserziehung. Friedrich Ludwig Jahn, auch bekannt als Turnvater Jahn, der als Initiator der deutschen Turnbewegung gilt, studiert diese 1808 dort direkt an der Quelle. Ab 1809 ist Jahn als Lehrer am Grauen Kloster tätig. Dort beginnt er seine Schüler an Leibesübungen und Spiele bzw. Bewegung im Freien heranzuführen. Im Jahre 1811 richtet Jahn auf der Hasenheide in Berlin den ersten Turnplatz ein. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um den ersten Outdoor-Fitness Platz. Obwohl diese pädagogischen Leibesübungen noch heute Ähnlichkeiten mit leichtathletischen Disziplinen aufweisen, unterscheiden sich Normen und Werte, Intentionen, Prinzipien und Kontexte grundlegend vom modernen Turnen und Sport.

So besteht für Jahn das Ziel des Dauerlaufs darin, den weitesten Raum in der kürzesten Zeit zurückzulegen und am Ziel bei guten Kräften anzugelangen. Die von Jahn in ins Leben gerufene Turnbewegung in Deutschland orientiert sich an Liberalismus und bürgerlichem Nationalismus und soll als Mittel der Überwindung der feudalstaatlichen Zersplitterung zu Gunsten eines deutschen Nationalstaates dienen. Weiterhin ist Ziel des Jahn’schen Turnens von Anfang an die Belebung des Gemeingeistes und des Bürgersinnes. Von da an wird das Turnen als Form einer nationalen und volkstümlichen Leibeserziehung angesehen und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aufgrund von politischen Agitationen auf den Turnplätzen kommt es allerdings 1820 zunächst zu einer Turnsperre.

Fitnessanlage - FREISPORT
Fitnessanlage – FREISPORT

Die Entstehung der ersten Turnvereine in den 1840er Jahren

1842 wird die Turnsperre in beinahe allen deutschen Staaten wieder aufgehoben und es folgt die Gründung erster Turnvereine und Turnverbände im modernen Sinn (mit einer Satzung). Diese greifen in die nationalstaatlich und demokratisch orientierte Revolution von 1848 ein, dessen Ziel in Einheit und Freiheit des Vaterlandes besteht. In dieser Zeit verändert sich die Sozialstruktur der Turnvereine. Und zwar sind immer mehr Handwerker und Arbeiter und nicht mehr vor allem Schüler und Studenten Mitglieder. 1848/49 bricht die Revolution zusammen und es werden wieder zahlreiche Turnvereine aufgelöst oder polizeistaatlich überwacht. Dies führt dazu, dass etliche Turner nach Amerika emigrieren und ihre Aktivitäten dort fortführen. 1859 bilden sich im Zuge der nationalen Welle wieder neue Turnvereine.

Die Gründung von „Die Deutsche Turnerschaft (DT“)“

1868 findet mit der Gründung des Dachverbands, die Deutsche Turnerschaft (DT), ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des Breitensports statt. Das deutsche Kaiserreich unterstützt in dieser Zeit die einzelnen Turnvereine militärisch (Wehrturnen) und politisch (Nationalismus). Dies sorgt für einen Anstieg der Mitgliederzahlen. Seit den 1890er Jahren werden außerdem Frauen aufgenommen, was einen entscheidenden Beitrag zu diesem Wachstum leistet.

1880 bis 1900: Die Gründung verschiedener Sportverbände

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist in allen europäischen Ländern geprägt von der industriellen Revolution. Mit diesen Veränderungen im gesellschaftlichen Leben geht ein neues Leibverständnis einher. So treibt eine breite Bevölkerungsschicht gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ihrer Freizeit Sport. Außerdem gründen viele Arbeitgeber Werksportvereine als Bewegungsangebote, was der Förderung, aber auch Disziplinierung ihrer Arbeiter dienlich sein soll. Ab etwa 1880 entstehen erste Sportfachverbände. 1893 entsteht nach Aufhebung der Sozialistengesetze der Arbeiter-Turnerbund (ATB). In den dazu gehörigen Vereinen besitzen, im Gegensatz zur bürgerlichen DT, Frauen und Jugendliche ab 14 Jahren volle Mitgliedsrechte. Allerdings zählen diese Vereine als „politische“ Institution.

Aus diesem Grund dürfen Minderjährige kein Mitglied sein, was zu einer Schwächung der Vereine führt. 1898 findet die Gründung des Deutschen Leichtathletikverbands statt. Seit 1900 gibt es schließlich den Deutschen Fußballbund. Weiterhin kommt es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu Spannungen zwischen den Turnern und den Sportlern. Ursache dessen sind die Tatsachen, dass traditionelle Sportarten wie Schwimmen und Bergsteigen in den Popularitätssog des Sports geraten und dass verschiedene Sportarten reglementiert werden.

Ab 1918: Sport wird zum Massenphänomen

Während des Ersten Weltkrieges erlangt Sport unter anderem durch den militärischen Nutzen sowie durch sein Zerstreuungspotenzial an der Heimatfront eine immer größere Popularität. Allerdings sinkt in Folge des Krieges die Zahl der männlichen Vereinsmitglieder rapide, während das Frauenturnen einen Aufschwung erlebt. Nach der Novemberrevolution 1918 kommt es jedoch erneut zu Spannungen zwischen der Deutschen Turnerschaft und dem Arbeiterturnerbund. Im Deutschland der Weimarer Republik wird Sport schließlich zur Massenbewegung: Aufgrund der neu eingeführten 48-Stunden-Woche haben die Menschen mehr Freizeit.

Im Zusammenhang mit einer neuen Körperästhetik verbringen sie diese damit, sportliche Aktivitäten zu betreiben. Auch in den Medien wird das Thema Sport immer präsenter und durch Sechs-Tage-Rennen, Fußballspiele sowie Profiboxkämpfe zur Massenunterhaltung und Berichterstattung der erbrachten Leistungen. Durch die Wirtschaftskrisen (1923, 1929 bis 1931) kommt es allerdings noch einmal zu sinkenden Mitgliederzahlen in den Vereinen.

Sportler bei Outdoor-Fitness - FREISPORT
Sportlich aktiv auf dem Outdoor-Fitness Platz – FREISPORT

Sport unterm Hakenkreuz

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wird der Sport in Richtung der politischen Interessen gelenkt (politische Leibeserziehung). Dies führt zu einer Bevorzugung der kampf- und gemeinschaftsorientierten Sportarten. Weiterhin werden die Vereine und Verbände im Deutschen (ab 1938 Nationalsozialistischen) Reichsbund für Leibesübungen gleichgeschaltet. Gleichzeitig erfolgt eine gewaltsame Auflösung der Arbeitersportvereine.

In der NSDAP, in der Deutschen Arbeitsfront, in SA sowie SS und in der Hitlerjugend wird Sport zum Teil verpflichtend praktiziert. Dies führt dazu, dass die Zahlen in den Vereinen zunächst stark sinken. Durch die Annexion Österreichs sowie des Sudetenlandes steigen die Zahlen teilweise wieder stark an. Ab 1939 führt schließlich der Krieg zu einem Verlust der männlichen Mitglieder. Wie bereits im ersten Weltkrieg erlebt der Frauensport auch wieder einen Aufschwung. Zwischen 1938 und 1939 werden die Vereine zu abhängigen Parteizellen der NSDAP und verlieren ihre Unabhängigkeit.

Die deutsche Nachkriegszeit und der Sport

Nach Kriegsende erfolgt zunächst ein Verbot der Vereine als Parteizellen der NSDAP und es kommt zu einer Entnazifizierung der Funktionsträger. Die Wiedergründung der Vereine verläuft daher zunächst regional. Nach Jahren der Not während des Krieges und in der Trümmerzeit gehört die Gründung des Deutschen Sportbundes (DSB) im Dezember 1950 zu den verheißungsvollen Zeichen eines Neubeginns. Ihm gehören alle Turn- und Sportvereine der Bundesrepublik Deutschland an. Dies führt dazu, dass nach der langen Zeit der erbittertsten Auseinandersetzungen im Lager der Turner Einheit Frieden einkehrt und der deutsche Turnerbund einen großartigen Aufschwung erlebt. In der DDR wird 1957 der staatlich gelenkte Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) gegründet.

Die Trimm-Dich-Bewegung der 1970er Jahre

Aufgrund eines verstärkten Aufkommens von Übergewicht innerhalb der deutschen Bevölkerung startet der Deutsche Sport Bund (DSB) 1970 die Krankheitspräventionskampagne „Trimm Dich – Durch Sport“. Mehr als zwei Jahrzehnte ist der Slogan Anspruch und Ansporn, sich mehr zu bewegen. Die Trimm-Dich-Pfade, die in dieser Zeit entstehen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Aber auch die Sportvereine können einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Mehr und mehr Menschen finden daran gefallen, sich in ihrer freien Zeit sportlich zu betätigen und einen Ausgleich zu finden. Gerade Outdoor-Fitness erlebt einen regelrechten Boom, denn auf diese Weise können Bewegung und Zeit im Freien bzw. an der frischen Luft verbunden werden. Übrigens: In unserem Beitrag “Trimm-Dich-Pfad damals und heute” beleuchten wir das Thema genauer.

Sportanlage - FREISPORT
Heute gibt es vielfältige Sportmöglichkeiten im Freien – FREISPORT

Heute: Sport in Deutschland seit 1990

Seit den 90er Jahren kommt dem Thema Sport auch im Zusammenhang mit der Kinder-, der Frauen-, der Senioren-, der Migrations- und der Inklusionsförderung eine große Bedeutung bei. Daher gibt es in den Turnvereinen ein vielseitiges Angebot für die unterschiedlichen Interessensgruppen. Dennoch stagnieren insgesamt die Mitgliederzahlen in den Vereinen. Dies lässt sich auf die Konkurrenz durch den kommerziellen sowie durch den Individualsport zurückführen. Viele Menschen wollen lieber vereinsunabhängig Outdoorsport betreiben.

Außerdem steht der Ganztagsunterricht einer Vereinsmitgliedschaft oftmals entgegen. Weitere aktuelle Zahlen, Herausforderungen und Hintergründe haben wir in unserem Beitrag zur aktuellen Lage des Sports in Deutschland festgehalten.

Fazit: Sport im Wandel der Zeiten

Während der letzten mehr als 200 Jahre hat sich der Breitensport in Deutschland etabliert. Dies wurde stets von den verschiedenen historischen Geschehnissen sowie von gesellschaftlichen Umbrüchen beeinflusst.

Der Fokus des Breitensports liegt heute auf der körperlichen Fitness, dem Spaß an der Bewegung sowie auf den sozialen Komponenten des Vereinslebens. Generell soll dem Menschen durch Freizeitsport zur ganzheitlichen Gesundheit verholfen werden. Gerade Outdoor-Fitness hat sich hier als besonders effizient erwiesen.

Fest steht: Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart kommt dem Breitensport eine große Bedeutung für das Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft bei.

Weiterführende Informationen zur Geschichte des Breitensports